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Fotos: Frank Kleinbach

Jahresausstellung 2013 des Kunstvereins

SILKE WAGNER. A WORK IS A WORK IS A WORK

Grußwort

Coverworks, New Works, New Old Works, Works, … so betitelte Silke Wagner einige ihrer Ausstellungen in den letzten Jahren. A WORK IS A WORK IS A WORK lautet der Titel der Jahresausstellung des Kunstvereins in der Kunsthalle Göppingen, der auf ein berühmtes Zitat von Gertrude Stein „A rose is a rose is a rose“ (1) verweist. ‚Covered‘ (2) Silke Wagner hier das Zitat von Gertrude Stein programmatisch als Ausstellungstitel? Oder stellt sie ihre in Coverworks, New Works oder Works unterschiedenen Arbeiten in eine Art Reihe?
Wer Silke Wagner kennt, lernt ihren feinfühligen und subtilen Verstand schätzen. Was leichtfüßig daherkommt, trägt unverhofft schweres Gepäck auf dem Rücken. Man könnte bei ihren Arbeiten auch an alle Besucher postulieren: Schaut genau hin und nehmt den Faden auf.
1913 hat Gertrude Stein die bekannte Tautologie „A rose is a rose is a rose“ als Teil des Gedichts Sacred Emily verfasst. Oft wird dieser Satz interpretiert als ‚Dinge sind, was sie sind‘, jedoch beinhaltet dieser Satz auch das Wissen, dass ein Ding viele Erscheinungsformen in sich birgt. So ist „a rose“ Wort, Begriff, Vorstellung, Bild und vieles mehr von einer Rose. Bei „A rose is a rose is a rose“ operiert jedes Mal, jede Wiederholung auf einer weiteren Ebene. Der Satz stellt keine Leerlaufgeste dar, sondern setzt vielmehr plakativ ein ikonisches Zeichen. In der Wiederholung, insistierend gelesen, erfährt das Wort eine eindringliche Aufladung und führt die verschiedenen Ebenen eines Dings vor Augen, die über die Entzifferung des sprachlichen Zeichens weit hinausreichen.
Durch das Wiederholen desselben Wortes wünschte sich Gertrude Stein den „stream of consciousness“ (Bewusstseinsstrom) auszulösen, ein Begriff, der von ihrem Lehrer William James geprägt wurde. Die Schriftstellerin forderte, dass die Sprache wie im Fluss sein sollte, in dem ein Gedanke in den anderen, ein Wort in das nächste übergeht. „Im monotonen Fluss der Zeit kann es weder Anfang noch Ende, sondern nur ‚fortgesetzte Gegenwart‘ geben“. (3)
Wer durch die Ausstellung A WORK IS A WORK IS A WORK von Silke Wagner schreitet, spürt die mit Kalkül bedachte räumliche Setzung der Arbeiten. Ähnlich dem geforderten Bewusstseinsstrom von Gertrude Stein leitet ein Werk zum nächsten, und weiter zum folgenden. Einheiten entstehen, die Inhalte kristallisieren und Kontexte herstellen. Ein Gedankenfluss wird von Silke Wagner provoziert, der bewusst inhaltlich und topographisch aus dem Ausstellungsort Kunsthalle hinausweist. Die Arbeiten gleichen einzelnen Steinen, die in ihrem Gesamten ein Mosaik ergeben, das gesellschaftliche Strukturen und Entwürfe abbildet.
A WORK IS A WORK IS A WORK nimmt im bestimmten Maße die Betrachter
mit in die Verantwortung; so zieht sich die Künstlerin bewusst zurück und überlässt den Besucher dem Gedankenfluss.

Der Kunstverein bedankt sich bei Silke Wagner für ihr Engagement. Die Künstlerin hat bereits mit der Ausstellung PORTRAITS den öffentlichen Raum in Göppingen von September 2013 bis März 2014 in besonderer Qualität bereichert. Dazu präsentiert sich als gelungenes Zusammenspiel die Jahresausstellung SILKE WAGNER. A WORK IS A WORK IS A WORK des Kunstvereins von November 2013 bis März 2014 in der Kunsthalle Göppingen. Der Kunstverein wünscht den Besuchern der Ausstellung, die Kunsthalle als lebendigen Ort des Diskurses zu erleben.

Veronika Adam
Kunstverein Göppingen e.V. 2013

(1) Gertrude Stein: Geography and Plays. The Four Seas Company, Boston 1922.
(2) ‚Covered‘ bezieht sich in diesem Zusammenhang auf Arbeiten von Silke Wagner, die sie als „Coverworks“ bezeichnet. Die Künstlerin interpretiert ähnlich wie in der Musikbranche eine bereits vorhandene Arbeit, beispielsweise Sister Corita Kent (2010).
(3) Katharina Hoke: „Der Fall Gertrude Stein. Ist Klarheit unwichtig, wenn jemand genügend Vitalität besitzt.“, in: Die Zeit, 8.April 1960.

AUSSTELLUNGSDAUER

16. November 2013 bis
06. Januar 2014

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