Exkursion Juni 2026
Fotografie – in echt und gefakt
Kunstverein Göppingen in Baden-Baden
Drei charmante kleine Zimmer, zwei lichtdurchflutet, eines dunkel; hier jede Menge Bücher, da Kameras und dort ein langer Tisch, an dem es sich auch gut tafeln lässt: Das ist das Atelier der Fotokünstlerin Simone Demandt, die 2024 mit ihrer Ausstellung Movers Gast beim Kunstverein Göppingen war. Dieser hat sie nun an ihrer Wirkungsstätte besucht und im nahen Stadtzentrum von Baden-Baden gleich noch das Museum Frieder Burda „mitgenommen“, wo derzeit ebenfalls fotorealistische Arbeiten bestaunt werden können – allerdings solche, die mit Pinsel oder Sprühpistole auf Leinwand entstanden sind.
Wer „Baden-Baden“ hört, denkt vielleicht an gründerzeitliche Villen, an weitläufige Parkanlagen und flanierende Kurgäste, aber wohl nicht an Weinberge und dörfliche Abgeschiedenheit. Und doch ist es genau das, was Besucherinnen und Besucher im Stadtteil Varnhalt erwartet. Auch Simone Demandt steht am Exkursionstag schon bereit, um die Delegation aus Göppingen zu begrüßen. Es dauert nicht lang, bis man sich im zentralen Atelierraum vor Ideenheften, Ausstellungskatalogen und an die Wand gepinnten Projektskizzen drängt. Die Themenvielfalt beeindruckt. Sie reicht von historischen Pflanzenmodellen, ursprünglich zu wissenschaftlichen Zwecken geschaffen und vor der Kamera der Künstlerin zu verrätselten Stillleben mutiert, bis zu einer Auseinandersetzung mit dem Phänomen Synästhesie: Wie Kandinsky und andere visuelle Menschen sieht die Hausherrin Buchstaben oder Zahlen, aber auch Menschen vor dem geistigen Auge in bestimmten Farben, die sie ganz automatisch mit ihnen verknüpft. Aktuelle Herausforderung: der Versuch, abstrakte, mit dickem Filzstift gezeichnete und dann fotografierte Linienmuster mit gegenständlichen Motiven zu kombinieren – wobei der Einklang aus beidem immer nur ein relativer sein kann, ist Simone Demandts neueste Versuchsreihe doch auch Ergebnis ihrer Wut über alles, was schiefläuft im spätkapitalistischen Zeitalter.
Nach einer Kurzeinführung in die ziehharmonikaartige „Fachkamera“ gibt es selbstgemachten Tortellinisalat im Wintergarten. Wenig später bricht die Gruppe in Begleitung der Künstlerin Richtung Baden-Baden-Zentrum auf, nicht ohne noch Station im Lager zu machen, einem unscheinbaren Bau am anderen Ende von Varnhalt, wo viele von Demandts Arbeiten schlummern. Danach geht es über Serpentinen hinab ins Tal des Flüsschens Oos, das direkt durch die Stadt plätschert, in Sichtweite des Burda-Museums, das derzeit mit täuschend echt wirkenden, oft großformatigen Gemälden aufwartet. Neben den amerikanischen Klassikern des Fotorealismus wie Ralph Goings und Richard Estes freuen sich auch Bilder von Gerhard Richter und Karin Kneffel auf Besuch – Werke, die auf je eigene Weise mit malerischen Mitteln fotografische Effekte erzielen. Alle zusammen bilden sie die perfekte Ergänzung zu Simone Demandts experimentellem Blick durch die Kamera. Bei Kaffee und Kuchen in der benachbarten Kunsthalle geht eine besonders eindrückliche Exkursion zu Ende.
Kunstverein Göppingen in Baden-Baden
Ort:
Atelier Simone Demandt, Baden-Baden-Varnhalt
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Anlass:
Exkursion mit Atelierbesuch bei Simone Demandt und anschließendem Besuch der Ausstellung zum Fotorealismus im Museum Frieder Burda
Datum:
Sonntag, 14. Juni 2026 | Ab 11.00 Uhr
Ein Artikel von:
Kai Bleifuß















